Traumarbeit

Up Jungs Typologie Traumarbeit

 

Freund hat schon früh den Traum die via regia zum Unbewußten genannt. Freilich näherte sich Freud diesem Phänomen unter der orthodoxen Annahme, daß die Beziehung zwischen manifestem Trauminhalt und latentem Traumgedanken nichts anderes sei als der Versuch einer imaginären Wunschbefriedigung versteckter aber auch sehr realer (vorzugsweise ödipaler) Triebimpulse. Die eigentümliche Mechanik dieser Deutung entsteht natürlich durch die Reduktion der Traumsymbole auf Sexualsymbole. "Der bezeichneten Inhalte sind nur wenige, der Symbole für sie ungemein viele." (Freud. Gesammelte Werke XI, Der Traum). Vom manifesten Trauminhalt bleibt nach der Deutung nichts anderes als "die uns bekannten bewußten Gedanken unseres Wachlebens."
(ebda).

 

Das Angeln des Leviathan

Jungs Traumtheorie bietet für die Selbstentwicklung einen ungleich produktiveren Standort. Da das Unbewußte sich in der Regel komplementär oder kompensatorisch zum Bewußtsein verhält, ist die Traumarbeit eine der Möglichkeiten zur Ganzheit, zum eigenen seelischen Gleichgewicht vorzudringen. Man lernt am dem Wege der Selbsterkundung, seine Träume auf abgedrängte, individuelle Bewußtseinsinhalte ebenso wie auf archetypische Symbole hin zu untersuchen und in Beziehung zur konkreten Lebenssituation zu setzen.

Das typische Verfahren könnte so aussehen:

 
  • Den Trauminhalt aufschreiben (so früh wie möglich)
    Leitfragen: mit welchem Gefühl begegne(te) ich meinem Traum? Fällt es mir schwer - aus irgendeinem (welchem?) Grund - ihn aufzuschreiben? Gibt es Auslassungen? Fällt mir ein Teilstück nicht mehr ein? Woher weiß ich das? Wie fühlte ich mich im Traum selbst?
  • Ausgelassene, entfallene Traumsequenzen assoziieren, ergänzen, aber ohne großes Überlegen, ohne Kommentieren und Bewertung, einfach das schreiben, was gerade durch den Sinn geht. Es geht um keinen Literaturpreis. Selbst wichtigste Träume lassen sich in wenigen Sätzen aufs Papier bringen.
  • Vieles wird im Traum verdichtet, manche Themen, Personen, Dinge werden in einem Symbolausdruck zusammengefaßt. Oder das Gegenteil tritt zu Tage: pars pro toto: eine Sache steht für ein übergeordnetes Ganzes, z.B. eine Haarlocke für die Geliebte.
  • Die Symbolik des Traumes. Es gibt Traumlexika mit den wichtigsten Begriffen und ihren Bedeutungen. (Bräuchte man nach Freud eigentlich nicht, denn wie es ein moderner Nachfahr verkündete [W. Kemper. Der Traum und seine Be-Deutung]: "Hauptanwendungsgebiet der Symbolik im Traum ist aber zweifellos der Bereich des Geschlechtlichen.") Entscheidend ist aber nicht so sehr die 1:1 Übersetzung nach dem Lexikon, sondern die eigenen Assoziationsketten zu den Symbolen und die Handlung, die dargestellte Bewegung der Psyche.
  • Wenn der Traum kompensatorische Bedeutung hat - was könnte kompensiert worden sein? Denken Sie auch daran, daß auftauchende Personen eigene Persönlichkeitsanteile reflektieren.